Ausbau · Netzausbau
Acht Stromautobahnen sollen künftig 28 Gigawatt von Nord- und Ostsee zu den Verbrauchszentren übertragen, so viel wie rund 20 Großkraftwerke. Fünf davon sind im Bau. Fertiggestellt sind bislang 236 Kilometer Erdkabel.
Zentrale Ansicht
Beim Erdkabelbau kommt zuerst der Tiefbau (Gräben, Bohrungen unter Straßen und Flüssen, Leerrohre). Die Kabel werden erst später abschnittsweise eingezogen, deshalb springt die Zahl der fertiggestellten Kilometer gegen Projektende, wenn viele Abschnitte parallel fertig werden.
30 von 304 km fertiggestellt · Stand 21. Juli 2026
Bringt Offshore-Windstrom von Emden ins Rheinland und ist das am weitesten fortgeschrittene der acht Vorhaben.
Karte
Fläche zeigt, wie viel des eigenen Stromverbrauchs ein Bundesland selbst erzeugt (Jahresbilanz 2025). Bundesland oder Trasse antippen, um Details zu sehen.
Bundesland oder Trasse antippen
Deckt ein Bundesland seinen Stromverbrauch selbst?
Trassenverläufe vereinfacht. Bundesland-Werte: modellierte Jahresbilanz 2025 nach CO2Map.de; Berlin, Hamburg und Bremen sind darin den umliegenden Flächenländern zugerechnet.
Verfahren
Der grobe Korridor wird gesucht: Wo kann die Leitung grundsätzlich verlaufen? Öffentlichkeit und Behörden werden beteiligt.
Der genaue Verlauf wird meterscharf festgelegt und genehmigt. Erst mit dem Beschluss darf gebaut werden.
Kabelgräben, Tunnel und Konverterhallen entstehen. Bei Erdkabeln wird abschnittsweise verlegt und die Fläche danach wieder landwirtschaftlich genutzt.
Die Leitung überträgt Strom als Hochspannungs-Gleichstrom (HGÜ). Konverter an beiden Enden wandeln zwischen Gleich- und Wechselstrom, dadurch fließen 2 bis 8 GW nahezu verlustfrei über hunderte Kilometer.
Einordnung
Deutschlands Stromsystem hat ein Geografie-Problem: Erzeugt wird zunehmend an der Küste, verbraucht vor allem im Süden und Westen. Die Stromautobahnen transportieren den Strom von der Küste dorthin, wo er gebraucht wird.
Windstrom von der Küste. An windreichen Tagen liefern Nord- und Ostsee mehr Strom, als das heutige Netz nach Süden transportieren kann. Windparks werden dann abgeregelt, während im Süden Gaskraftwerke einspringen. Diese Eingriffe (Redispatch) kosten mehrere Milliarden Euro pro Jahr, die alle Stromkunden über die Netzentgelte bezahlen.
Strom aus dem Norden Europas. Über Seekabel ist Deutschland mit Norwegen (NordLink) und Dänemark verbunden, NeuConnect nach Großbritannien ist im Bau, Verbindungen nach Schweden und ins Baltikum sind geplant. Auch dieser Strom aus Wasserkraft und Wind landet an der Küste und braucht dieselben Trassen nach Süden.
Und in die Gegenrichtung: Solarstrom aus dem Süden. An sonnigen Sommertagen erzeugen die Photovoltaik-Anlagen in Bayern und Baden-Württemberg mehr, als die Region abnimmt. Die Gleichstromtrassen können in beide Richtungen übertragen: Überschüssiger Solarstrom kann künftig nach Norden fließen, bis hin zum Export nach Skandinavien, statt abgeregelt zu werden. Batteriespeicher helfen dabei, ersetzen die Leitungen aber nicht.
Der Verbrauch wächst, und zwar im Süden. Wärmepumpen, Elektroautos und neue Rechenzentren lassen den Strombedarf in den kommenden Jahren deutlich steigen, gerade in den Industrie- und Ballungsräumen. Gleichzeitig sind mit dem Atomausstieg die letzten großen Kraftwerke im Süden vom Netz gegangen. Die Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch im Süden wird ohne die neuen Leitungen größer, nicht kleiner.
Es geht auch um den einheitlichen Strompreis. Deutschland ist eine einzige Stromgebotszone: Strom kostet an der Börse in Flensburg dasselbe wie in München. Auf europäischer Ebene wird immer wieder gefordert, diese Zone zu teilen, weil das Netz die Preisunterschiede zwischen Nord und Süd nur mit teuren Eingriffen überbrückt. Eine Teilung würde Strom im Süden spürbar verteuern. Je schneller die Gleichstromtrassen fertig werden, desto schwächer werden die Argumente für eine Aufspaltung.
Quellen und Datenstand
Fortschritt und Trassenverläufe: Bundesnetzagentur, Monitoring des Netzausbaus (Vorhabenseiten, Fortschritt je Korridor täglich abgerufen mit eigenem Stand-Datum) · Meldungen: Newsrooms von TenneT, Amprion, 50Hertz und TransnetBW · Bundesland-Bilanzen: Datenmodell CO2Map.de (INATECH, Universität Freiburg; Jahresbilanz 2025, Lizenz CC BY 4.0)
Die Stromautobahnen sind acht große Gleichstrom-Hochspannungsleitungen (HGÜ), die Wind- und Solarstrom von der Küste zu den Verbrauchszentren im Süden und Westen transportieren sollen. Sie sind Teil des Bundesbedarfsplans und werden von den Übertragungsnetzbetreibern umgesetzt.
Erneuerbare erzeugen zunehmend an der Küste, Industrie und Haushalte verbrauchen vor allem im Süden. Das bestehende Wechselstromnetz reicht für die großen Leistungsflüsse nicht aus. Gleichstrom kann über hunderte Kilometer mit wenig Verlust übertragen werden und entlastet das Netz in beide Richtungen.
Kilometer-Fortschritt und Trassenstände stammen aus den öffentlichen Vorhabenseiten der Bundesnetzagentur auf netzausbau.de. Ein täglicher Abruf aktualisiert die Werte je Korridor; das Stand-Datum steht bei jedem Balken.
49 von 543 km fertiggestellt · Stand 24. Juni 2026
Verbindet die Windregionen Sachsen-Anhalts mit Bayern. Erste Abschnitte in Sachsen-Anhalt und der Oberpfalz sind verlegt; eine Erweiterung um ein zweites System ist beschlossen.
74 von 342 km fertiggestellt · Stand 23. Juni 2026
Setzt A-Nord nach Süden fort und nutzt als erstes großes Gleichstromprojekt vorhandene Freileitungsmasten. Endpunkt ist das frühere Kernkraftwerk Philippsburg.
83 von 700 km fertiggestellt · Stand 17. August 2026
Zwei Erdkabelsysteme mit je 2 GW, das längste Kabelbauprojekt Deutschlands. Seit Dezember 2025 ist die komplette Trasse genehmigt, gebaut wird in allen sechs Bundesländern gleichzeitig, aber abschnittsweise.
In Planung · Ziel 2030
Zweites System des SuedOstLink: eigene neue Trasse von Klein Rogahn bis zum Landkreis Börde bei Magdeburg, ab dort im selben Korridor wie der SuedOstLink bis Isar. Der Korridor überträgt dann zusammen 4 GW, und auch der Osten bekommt seine direkte Leitung von der Küste in den Süden.
Baubeginn im März 2026 · erster Bauabschnitt im Kreis Dithmarschen
Zwei Systeme mit je 2 GW von der Nordseeküste ins Ruhrgebiet. Seit März 2026 laufen die ersten Bauarbeiten in Schleswig-Holstein, große Teile der Trasse sind noch im Genehmigungsverfahren.
In früher Planungsphase · Ziel 2032
Die Ost-West-Querverbindung im Norden: koppelt die Windküste Schleswig-Holsteins mit Mecklenburg-Vorpommern und verknüpft so Nordsee- und Ostsee-Strom. 2024 um ein zweites System auf 4 GW erweitert.
In früher Planungsphase · Ziel 2033
Das größte der acht Vorhaben: vier Erdkabelsysteme mit zusammen 8 GW, gedacht vor allem für künftigen Offshore-Windstrom aus der Nordsee in das Rechenzentrums- und Industriedrehkreuz Rhein-Main.
„In Planung“ heißt: Korridor und Verfahren laufen, Baubeginn steht noch aus. „Genehmigt, vor Baubeginn“ markiert planfestgestellte Abschnitte ohne laufenden Bau. „Im Bau“ bedeutet laufende Erdarbeiten und Kabelverlegung. „Fertig verlegt / in Betrieb“ zählt Abschnitte, in denen die Leitung verlegt und in Betrieb ist.
Ohne ausreichende Leitungskapazität kann nicht der gesamte Windstrom vom Norden in den Süden fließen. Dann werden Windparks abgeregelt, während im Süden konventionelle Kraftwerke einspringen. Die Stromautobahnen sollen diese Engpässe abbauen und den Ausbau von Wind und Solar am Netz ermöglichen.